Im letzten Beitrag ging es darum, wie man einen Setpreis misst. Diesmal geht es darum, wie er zustande kommt. Denn der Teilepreis sagt, was ein Set kostet, nicht warum — und die zweite Frage ist die interessantere.
Wir erzählen das am eigenen Weg, weil wir den kennen. Ein Set steht nicht deshalb bei uns im Regal, weil wir es bestellt haben, sondern weil wir es vor ungefähr einem Vierteljahr bestellt haben.
Drei Monate, bevor überhaupt etwas ankommt
Zwischen einer Bestellung beim Hersteller in China und der Lieferung an unser Lager liegen in aller Regel rund drei Monate. Ist ein Modell noch in Produktion, dauert es länger.
Das ist der Punkt, an dem sich Handel mit Klemmbausteinen von den meisten Vorstellungen unterscheidet. Was Sie im September bei uns kaufen, ist im Juni bestellt und bezahlt worden. Zu diesem Zeitpunkt stand weder fest, wie das Weihnachtsgeschäft läuft, noch welches Modell die Szene gerade entdeckt.
Diese drei Monate sind selbst ein Kostenfaktor. Das Geld ist ein Vierteljahr gebunden, bevor auch nur ein Karton verkauft ist. Für einen Händler unserer Größe ist das die wichtigste Zahl überhaupt, wichtiger als jeder Einkaufsrabatt.
Der Weg der Ware
Nach der Produktion geht die Ware in den Seecontainer. Bausteine sind leicht, aber voluminös; bezahlt wird bei Seefracht nach Raum, nicht nach Gewicht. Ein Set mit viel Luft im Karton kostet auf demselben Schiff mehr als ein kompaktes.
An der EU-Grenze wird eingeführt und verzollt. Klemmbausteine aus Kunststoff laufen unter der Zolltarifnummer 9503 00 35 00 — dieselbe Position für alle Hersteller, denn der Zoll unterscheidet nach Warenart und Material, nicht nach Marke. Dazu kommt die Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent auf den Warenwert einschließlich Fracht. Sie fließt später zurück, aber sie muss zuerst bezahlt werden — wieder Geld, das gebunden ist.
Ein Punkt, den kaum jemand außerhalb der Branche kennt: Klemmbaustein-Sendungen werden an der EU-Außengrenze besonders genau angesehen. Rechteinhaber können bei den Zollbehörden einen Antrag auf Tätigwerden stellen (Verordnung (EU) 608/2013). Der Zoll hält daraufhin verdächtige Sendungen an und benachrichtigt den Rechteinhaber. Für Klemmbausteine gibt es solche Anträge, und deshalb ist eine Ankunft nie eine reine Frage von Produktion und Schiffsroute. Sie ist auch eine Frage der Prüfung.
Das ist einer der Gründe, warum ein angekündigtes Set manchmal nicht kommt — und warum wir mit Ankündigungen vorsichtig sind, solange die Ware nicht verzollt im Lager liegt.
Was danach noch dazukommt
Der Einkaufspreis ist am Ende der kleinere Teil der Geschichte. Dazu kommen Kosten, die keine Rechnung des Herstellers ausweist.
Lagerung und Kommissionierung. Ein Set mit 7.000 Teilen hat ein Kartonmaß, das Platz kostet, jeden Monat.
Versand innerhalb Deutschlands. Große Modelle sind sperrig. Bei manchen Sets ist die Fracht im Inland der zweitgrößte Posten nach der Ware selbst.
Die Pflichten als Einführer. Wer direkt importiert, ist rechtlich der Inverkehrbringer. An dieser Rolle hängen Produktsicherheit, CE-Kennzeichnung, Warnhinweise und Altersangaben auf Deutsch, das Verpackungsregister und, sobald Elektronik oder Batterien im Spiel sind, noch Batteriegesetz und Elektroaltgeräte-Registrierung. Nichts davon sieht ein Kunde. Alles davon steht im Preis.
Der Service danach. Ersatzteile bei fehlenden oder defekten Steinen, Fragen zur Anleitung, Rückgaben. Wir machen das ohne Formular und ohne Fristen, was in unseren genauer steht. Es ist trotzdem Arbeitszeit, und Arbeitszeit ist Geld.
Warum das auffällig billige Angebot oft teurer wird
Dieselben Sets stehen auf großen Handelsplattformen manchmal spürbar günstiger. Das ist kein Trick, sondern eine andere Rechnung: Dort kaufen Sie in vielen Fällen direkt in Fernost, und die Posten oben verschwinden nicht, sie wandern nur zu Ihnen.
Sie warten selbst auf die Lieferzeit statt auf ein Lager zugreifen zu können. Bei einer Direkteinfuhr über der Freigrenze werden Zoll und Einfuhrumsatzsteuer bei Ihnen erhoben. Eine Rücksendung geht dorthin zurück, wo die Ware herkam. Und wenn nach dem Öffnen eine Tüte fehlt, gibt es niemanden in Deutschland, der Ersatz schickt.
Das ist für manche Käufer trotzdem der richtige Weg, und wir sagen das offen. Wer geduldig ist, das Risiko kennt und den Preis vergleichen kann, macht dabei nichts falsch. Nur ist es eben kein Vergleich derselben Sache.
Eine ehrliche Einschränkung
Wir sind nicht bei jedem Set der günstigste Anbieter, und wir versuchen es auch nicht zu sein. Bei Modellen, die viele Händler führen, gibt es fast immer jemanden, der ein paar Euro darunter liegt.
Was wir dagegensetzen können, ist der Rest: eine Auswahl, die wir vorher geprüft haben, ein Lager in Deutschland, ein Ansprechpartner, der das Set kennt. Wem das den Unterschied nicht wert ist, dem raten wir ehrlich zum günstigeren Angebot. Ein Kunde, der sich über den Preis ärgert, ist für niemanden ein Gewinn.
Im nächsten Beitrag schließen wir das Thema ab mit der Frage, die am Ende wirklich zählt: Wann ist ein Set sein Geld wert — und wann kauft man besser gar nicht oder wartet?
Entdecken Sie unsere Auswahl im . Sie möchten wissen, warum ein bestimmtes Set bei uns kostet, was es kostet? Schreiben Sie uns, wir erklären es Ihnen.